Einwanderung in die USA: Von Vergangenheit bis Gegenwart

Die USA versteht sich selbst als sogenannter “Melting Pot”, also eine kulturelle Mischung aus vielen verschiedenen Völkern, die einst aus unterschiedlichen Ecken Europas mit Schiffen in die USA übersiedelten. Diese Vielfalt lässt sich auch heute noch an den banalsten Gegebenheiten erkennen: So lässt sich vom Nachnamen eines Amerikaners häufig noch das ursprüngliche Herkunftsland seiner Vorfahren zurückführen oder diverse Straßen- oder Ortsnamen ähneln stark einem europäischem Pendant. Diese kulturelle Vielfalt ist auf der Willkommenskultur der frühen Siedler basiert, die es Einwanderern aus aller Welt sehr einfach machten, die amerikanische Staatsbürgerschaft zu erlangen. Massenweise strömten Menschen mit der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Amerika. Und auch nach wie vor ist eine Auswanderung nach Amerika der Traum vieler, jedoch ist es mittlerweile nicht mehr ganz so einfach, ein neues Leben in Amerika zu beginnen, da die Einreisebestimmungen stark eingeschränkt wurden. Im Folgenden wird näher auf das “Wie” und “Wann” der Einwanderung in die USA eingegangen.

Die Entdeckung Amerikas und die KolonialzeitZum Inhaltsverzeichnis

Nachdem Christoph Kolumbus 1492 Amerika entdeckt hat, dauerte es zunächst noch einige Jahrzehnte, bis sich Siedler im neu entdeckten Land niederließen. Die ersten Siedler waren die aus den europäischen Großmächten Spanien, Frankreich und England. Mit der Errichtung der ersten Siedlungen begann die sogenannte Kolonialzeit. Die ersten Kolonien bestehen aus Soldaten, die im Namen der Monarchen das neue Land ausbeuten und die Ureinwohner versklaven sollten. Man erhoffte sich mit Rohstoffen wie Gold oder Silber bereichern zu können. Ab ca. 1550 begannen die ersten Einwandererwellen in die Kolonialgebiete. Die Übersiedlung wurde zu dieser Zeit noch von Privatpersonen gewinnbringend organisiert. Die Gründe der Auswanderung waren vielfältig, waren aber größtenteils auf wirtschaftliche Gründe und religiöse oder politische Verfolgung zurückzuführen. Denn viele der ersten Siedler waren arm und erhofften sich durch das Angebot großer Ackerflächen und Ländereien ein besseres Leben in Amerika. Aufgrund von mangelnder Religionsfreiheit und aufgrund der Unterdrückung der Monarchen flohen viele religiöse Minderheiten oder politisch Andersdenkende in das neue, freiere Land.

Siedlungen werden zu KolonienZum Inhaltsverzeichnis

Die ersten Kolonien wurden von den Engländern, Spaniern und Franzosen Mitte des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts gegründet:

Ab ca. 1528

Erste spanische Siedler lassen sich in Süd- und Zentralamerika nieder und dringen später bis nach Kalifornien vor.

Ab ca. 1605:

Die ersten französischen Einwanderer siedeln sich in Nordamerika in Illinois, Lousiana und Kanada an.

1607:

Erste erfolgreiche Ansiedlung in Jamestown (Virginia), erste dauerhafte englische Siedlung; zugleich erste aus England gegründete Kolonie. 1620 kamen dann die sogenannten “Pilgerväter” mit der Mayflower nach Amerika und besiedelten Massachusetts. Nachdem sich die Siedlungen etablierten, gab man den Gedanken der Ausbeutung des Landes auf und begann mit der Kolonialisierung. Bis 1776 entstanden dreizehn Kolonien.

Zwischen 1628 und 1775 gibt es fünf große Einwanderungswellen (“Great Migration”), bei denen sich Engländer (Puritaner), Niederländer, englische Royalisten, Quäker (religiöse Minderheit), schottische Iren und Deutsche in verschiedenen Gebiete in den USA niederlassen.

Einwanderungswellen nach der UnabhängigkeitserklärungZum Inhaltsverzeichnis

Einwanderungen von 1776 bis 1849

Nach der Unabhängigkeitserklärung Amerikas in 1776 durch die dreizehn Kolonien kamen immer mehr Einwanderer nach Amerika. Viele Deutsche entschieden sich nach der gescheiterten Revolution 1848 für eine Auswanderung und machten Ende des 18. Jahrhunderts knapp neun Prozent der amerikanischen Bevölkerung aus. 1790 erfolgte die erste Volkszählung, bei der 3.929.326 Einwohner in Amerika ermittelt wurden, inklusive Sklaven. Eine Volkszählung erfolgte seitdem alle zehn Jahre. Millionen Iren wanderten während einer großen Hungersnot in Irland zwischen 1845 bis 1849 nach Amerika aus.

Erste Einreisebeschränkungen

Einschränkungen seitens Amerika gab es zunächst nicht - Einwanderer jeglicher Herkunft konnten sich ohne größere Einschränkungen oder Bedingungen in Amerika niederlassen und ein neues Leben beginnen. Das änderte sich 1882 allerdings mit dem “Chinese Exclusion Act”, das chinesischen Arbeitern die Einwanderung in die USA verbot. Erst 1943 wurde das Gesetz wieder aufgehoben und von der Quotenregelung abgelöst: 1921 und 1924 wurden allgemeingültige Quoten eingeführt, die in jeweiligen Gesetzen (“Emergency Quota Act” und “Immigration Act”) festgehalten wurden. Diese Gesetze waren dazu bestimmt, Einwanderungen aus Süd- und Osteuropa reduzieren, um ein “weißes Amerika” zu sichern. So waren nur noch Einwanderungen aus Nord- und Westeuropa uneingeschränkt möglich. Die Gesetze ließen Einwanderung aus süd- und osteuropäischen Ländern nur bis zu einer drei Prozent Grenze zu, die sich an dem Anteil der Bevölkerung von 1890 orientierte.

1940 wurden dann Personen ohne US Staatsbürgerschaft zum ersten Mal offiziell registriert, wenn sie in die USA reisten und wurden in drei Kategorien eingeteilt: Besucher, Arbeiter und dauerhafte Einwanderer. Dauerhafte Einwanderer ( “Permanent Residents”) erhielten die sogenannte “Alien Registration Card”, die ab 1950 auf grünem Papier gedruckt wurde und worauf der heute geläufigere Begriff “Green Card” zurückzuführen ist. 1978 wurde dann eine weltweit einheitliche Quote eingeführt. Trotz eines bedeutenden Rückgangs von Einwanderungen aus Europa wanderten weit bis in die 1990-er Jahre etwa zehn Millionen Menschen in die USA aus. Anders als im 16. Jahrhundert kommen die meisten US-Einwanderer mittlerweile aus Südamerika und Asien.

1820 wurde das Department of Immigration statistic gegründet, in dem erstmals umfachgreiche Daten der Einwanderer erfasst und archiviert wurden. Ausschlaggebend für die Einwanderungszahlen ist meist die jeweilige Situation im Heimatland, z.B. die Hungersnot in Irland oder politische bzw. religiöse Verfolgung. Aber auch ein vielversprechendes, besseres Leben in Amerika war für viele Einwanderer ein Grund, nach Amerika auszuwandern, z.B. während des Goldrauschs in Kalifornien von 1848 bis 1854.

Das "Diversity Immigrant Visa (DV) Program", geläufiger unter “Green Card Lotterie”, wurde 1994 erstmals durchgeführt. Jedes Jahr können Teilnehmer aus aller Welt bei der Verlosung der 55.000 Green Cards mitmachen und haben somit die Chance auf eine unbefristete Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. Die Green Card soll zur Kulturvielfalt in den USA beitragen und ist bei bei Auswanderfreudigen weltweit sehr populär, da sie einem mit etwas Glück ein neues Leben in den USA ermöglicht.

USA Einwanderungsbedingungen in der GegenwartZum Inhaltsverzeichnis

Das Real ID Act und seine Gegebewegung

Seit 2005 gelten noch strengere Regeln für die Einwanderung in die USA, denn es wurde das Gesetz “Real ID Act” eingeführt, das große Veränderungen, zum Beispiel bei politischem Asyl, mit sich brachte. Dieses Gesetz spaltete die USA, denn neben großer Zustimmung von der einen Seite fand dieses Einwanderungsgesetz auch viel Ablehnung von der Opposition. 2006 gab es USA-weite Demonstrationen gegen das Real ID Act-Law, bei denen sich Einwanderer, Bürger, Menschenrechts- und Arbeitsrechtsorganisationen für ein besseres Einwanderungsrecht einsetzten. Das Gesetz ist noch immer in Kraft und sorgt nach wie vor für Wirbel. In der Zwischenzeit wurden einige neue Gesetzesvorschläge beim Kongress eingereicht, diese sind jedoch alle gescheitert.

Auch wenn es noch immer Uneinigkeiten bezüglich des Einwanderungsgesetzes gibt, tut dies der Zahl der Neueinwanderungen keinen Abbruch. Auch die Zahl der illegalen Einwanderer, also jene ohne offizielle Einwanderungserlaubnis, steigt stetig an. Die ca. zwölf Millionen illegalen Einwanderer machen derzeit etwa fünf Prozent der US-amerikanischen Bevölkerung aus.

Um Kindern von illegalen Einwanderern eine bessere Zukunft in den USA zu ermöglichen, wurde 2012 während Präsident Obamas Amtszeit das Deferred Action for Childhood Arrivals Program (Daca) eingeführt. Kinder und Jugendliche, die bei der Einreise unter 16 Jahre alt sind, steht so eine Aufenthaltserlaubnis und eine Schulbildung zu, obwohl keine offiziellen Papiere vorhanden sind. Wird erfolgreich die Schulausbildung angeschlossen, können sie sogar eine Arbeitserlaubnis beantragen.

Die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielten in den vergangenen zehn Jahren jedes Jahr etwa 700.000 bis 750.000 Einwanderer.

ESTA als eingeschränkte Einreiseerlaubnis

Auch für USA-Reisende hat sich im Laufe der Zeit einiges geändert. Wer nämlich lediglich einen Urlaub oder eine Geschäftsreise in die USA machen möchte, kann dies seit 2008 ganz einfach ohne Visum mit der ESTA (Electronic System for Travel Authorization) Einreisegenehmigung. Dank des sogenannten Visa Waiver Programms (VWP) haben Staatsbürger von weltweit 39 verschieden Ländern die Möglichkeit, online eine zweijährig gültige Einreisegenehmigung zu beantragen, die es Reisenden ermöglicht, sich bis zu 90 Tage in den USA aufzuhalten. Die lästige und aufwändige Beantragung eines Visums für die USA ist dank ESTA somit hinfällig, es sei denn es ist ein längerer Aufenthalt geplant oder man hat eine Staatsbürgerschaft der von den USA als Gefahrenländer eingestufte Staaten (Iran, Irak, Sudan, Syrien, Somalia, Jemen oder Libyen). Staatsbürgern dieser Länder wird die Einreise in die USA mit ESTA verwehrt und sie müssen nach wie vor ein Visum bei einer US-Botschaft beantragen.

Verschärfte Bedingungen seit Trump

Seitdem 2017 Donald Trump der Präsident der Vereinigten Staaten ist, wurden die Einwanderungsbedingungen erneut verschärft, denn er hat es sich zum Ziel gesetzt, die Einwanderungsgesetze grundlegend zu reformieren. Eines seiner Hauptwahlkampfthemen war die Bekämpfung illegaler Einwanderer, deren rigorose Ausweisung er gleich nach Amtsantritt einleitete. Das Vorhaben des Baus einer Mauer an der Grenze zu Mexiko ist nach wie vor auf seiner Agenda - diese soll illegalen Einwanderern aus Mexiko und Südamerika den Übergang in die USA auf dem Landweg unmöglich machen.

Die Zahl der Aufenthaltsgenehmigungen für Flüchtlinge will er ebenfalls auf 50.000 begrenzen. Auch die Berechtigung für ein Visum oder ESTA für die USA schränkte er für bestimmte Länder ein. Das System der Green Card Lotterie will er ändern, indem statt einer zufälligen Wahl der Kandidaten ein Punktesystem eingeführt wird, welches eine Einwanderung nur für Kandidaten mit einem hohen Bildungsgrad, guten Englischkenntnissen und finanzieller Unabhängigkeit möglich macht.